Pressemitteilung Nr. 1/2026 München, 25. März 2026
Digitale Schüler brauchen analoge Werte und mehr Lehrkräfte
Bei der 76. Mitgliederversammlung in Eggenfelden forderte die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern eine werteorientierte Bildung und pädagogische Leitplanken für den Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Auch das Stellenmoratorium der bayerischen Landesregierung und der bereits bestehende Lehrkräftemangel beschäftigten die Anwesenden stark.
München – Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) setzte bei ihrer 76. Mitgliederversammlung am Karl-von-Closen-Gymnasium am 21./22. März in Eggenfelden klare bildungspolitische Signale. Unter dem Leitmotto „Digitale Schüler – analoge Werte? Eltern und Gymnasium zwischen Erziehung und Algorithmen“ diskutierten gut 100 Elternvertreterinnen und Elternvertreter aus ganz Bayern, wie Schulen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll gestalten und zugleich Werteorientierung, Persönlichkeitsbildung und Chancengerechtigkeit stärken können.
Werte und Haltung bleiben unverzichtbar
Gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung machte der LEV-Vorsitzende Sven Clement deutlich, worauf es aus Sicht der Eltern ankommt: Schulen müssen junge Menschen nicht nur für eine digitale Welt befähigen, sondern ihnen auch vermitteln, wie „man ein Leben führt, das von Werten, Mitgefühl und innerer Stärke getragen wird“. Eine gelingende Werteerziehung ist aber nur möglich, wenn ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind. Hier muss, so fordert die LEV, schnell eine Lösung gefunden werden.
Ministerialdirektor Martin Wunsch, Amtsleiter des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, lobte die gute Zusammenarbeit mit der LEV und betonte die Bedeutung einer humanistisch geprägten Bildung. Der Fokus des Kultusministeriums liege auf einer Digitalisierung mit Augenmaß. Martin Wunsch bekräftigte zudem, dass die Sorgen der Eltern zum Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall im Kultusministerium gehört werden, auch wenn bis 2027 keine einfache Lösung in Sicht sei. Daran knüpften in der anschließenden Aussprache auch viele Elternvertreterinnen und Elternvertreter an, und Martin Wunsch stellte sich offen den bohrenden Fragen der Eltern nach besserer personeller und technischer Schulausstattung.
Konkrete Forderungen der LEV
Der Leitantrag macht deutlich: Digitalisierung an Schulen muss transparent, pädagogisch fundiert und mit klarem Blick auf die tiefgreifenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz gestaltet werden – vom Unterricht bis hin zur Prüfungskultur.
Zu den zentralen Forderungen der LEV gehört eine zweckmäßige technische und insbesondere eine hinreichende personelle Ausstattung der Gymnasien. Dies darf nicht an Haushaltsüberlegungen scheitern, denn, so Sven Clement, wenn wir „pädagogische Qualität durch Notlösungen ersetzen, dann sparen wir nicht – wir verschieben nur die Rechnung.“ Die Herausforderungen für die Schulen sind groß. Eine eigenverantwortliche Schule, deren Entscheidungen möglichst nahe an der Basis getroffen werden, ist der Schlüssel zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben.
Fachlicher Austausch mit Impulsen zur KI
Neben den bildungspolitischen Beratungen bot die Tagung ein vielseitiges Informations- und Austauschprogramm. In zwei Inforunden beschäftigten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen mit Themen rund um das schulische Angebot der Gastgeberschule, Künstliche Intelligenz, Elternrechte und Elternpflichten sowie das Ehrenamt in der Elternvertretung.
Einen besonderen inhaltlichen Impuls setzte Prof. Dr. Andreas Pretschner von der TUM School of Computation, Information and Technology. In seinem Vortrag „KI – der stochastische Papagei? Was ist KI, wie funktioniert sie und warum ist sie wichtig?“ erläuterte er verständlich und anschaulich Grundlagen, Chancen und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz und eröffnete damit eine fundierte Perspektive auf eines der zentralen Zukunftsthemen für Schule und Gesellschaft.
Einstimmig verabschiedeter Leitantrag als Auftrag für das kommende Jahr
Mit der einstimmigen Verabschiedung des Leitantrags „Digitale Schüler – analoge Werte? Eltern und Gymnasium zwischen Erziehung und Algorithmen“ und der Annahme von Anträgen der Mitgliedsgymnasien gab die Mitgliederversammlung einen klaren Auftrag für die inhaltliche Arbeit des LEV-Vorstands im kommenden Jahr.
„Das bayerische Gymnasium muss ein Ort bleiben, an dem Bildungschancen und die Freude am Lernen im Mittelpunkt stehen“, so Sven Clement.
Über die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V.
Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V. (LEV) vertritt seit 1950 die Interessen der Eltern an den bayerischen Gymnasien. Sie setzt sich für gute Bildungsbedingungen, eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Bildungspolitik sowie für die Weiterentwicklung des Gymnasiums in Bayern ein. Die LEV bringt die Perspektiven der Eltern in bildungspolitische Debatten ein und begleitet aktuelle Entwicklungen im Schulwesen mit klaren inhaltlichen Positionen.
Pressekontakt
Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V.
LEV-Vorsitzender Sven Clement; Tel.: 089-93940560
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