Pressemitteilung Nr. 5/2026
PISA 2025: Eltern fordern stärkere Einbindung in das System Schule
Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern: Neue PISA-Ergebnisse sind Warnsignal und Auftrag zugleich, für mehr Erziehungspartnerschaft, fachliche Tiefe, Exzellenz und eine Bildung, die auch im KI-Zeitalter trägt.
München, 10. September 2026 Die Ergebnisse der neuen PISA-Studie 2025 sind ernüchternd: Die Kompetenzen der 15-Jährigen in Deutschland sind in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen so gering wie noch nie. Deutschland bewegt sich inzwischen in allen drei Bereichen nur noch in der Nähe des OECD-Durchschnitts.
Für die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V. (LEV) sind diese Ergebnisse ein deutlicher bildungspolitischer Weckruf. Sie sind aber auch Anlass, sich mit der Bedeutung des Elternhauses für den Bildungserfolg der Kinder auseinander zu setzen. „Nach jeder PISA-Studie richtet sich der Blick reflexartig auf Schulen, Lehrkräfte und die Bildungspolitik. Das ist notwendig, aber es greift zu kurz“, erklärt Sven Clement, Vorsitzender der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern. „Auch wir Eltern gehören zum Bildungssystem unserer Kinder.“
Familiäre Unterstützung geht deutlich zurück
Besonders nachdenklich stimmen aus Sicht der LEV die Ergebnisse zur familiären Unterstützung. Bei immer weniger Jugendlichen in Deutschland fragen Eltern oder Erziehungsberechtigte regelmäßig nach der Schule oder nach Schulproblemen. Dabei zeigen die PISA-Auswertungen einen positiven Zusammenhang zwischen familiärer Unterstützung und schulischen Leistungen. „Das sollte uns Eltern aufhorchen lassen“, so Sven Clement. „Unsere Kinder brauchen auch mit 15 Jahren Interesse. Die einfache Frage ‚Was war heute in der Schule?‘ ist vielleicht wichtiger, als wir denken.“
Die LEV warnt zugleich davor, aus den Ergebnissen eine pauschale Schuldzuweisung an Eltern abzuleiten. Eltern können und sollen professionelle Bildung nicht ersetzen. Die Gründe für den scheinbaren Rückzug der Eltern aus der Unterstützung sind vielfältig. Auch die Erfahrung, nicht erwünscht zu sein, gehört bei manchen dazu. Aber ohne eine gute Vernetzung von Elternhaus und Schule laufen die Bildungsbemühungen der Eltern ins Leere.
Erziehungspartnerschaft ist eine Autobahn und keine Einbahnstraße
Bayern verfügt mit KESCH – der Kooperation Elternhaus und Schule – bereits über ein wichtiges Instrument für eine systematische Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Aus Sicht der LEV müssen diese Konzepte noch stärker mit Leben gefüllt werden. „KESCH beschreibt im Kern genau das, was wir jetzt brauchen: Eltern und Schule als Partner mit unterschiedlichen Aufgaben“, erklärt Sven Clement. „Dazu müssen beide Seiten aufeinander zugehen. Schulen müssen Eltern frühzeitig und verständlich einbeziehen, Eltern die Gesprächs- und Beteiligungsangebote wahrnehmen.“
Im KI-Zeitalter wird Lesen wichtiger
Besonders ernst nimmt die LEV den starken Rückgang der Lesekompetenz. Wer KI kompetent nutzen will, muss Aussagen hinterfragen, Quellen einordnen, Widersprüche erkennen und die Qualität einer Antwort beurteilen können. Lesekompetenz ist eine zentrale Voraussetzung für KI-Kompetenz und digitale Mündigkeit.
PISA 2025 zeigt, dass Jugendliche, die ihre Hausaufgaben durch KI erstellen lassen, tendenziell schwächer abschneiden. „KI kann ein hervorragendes Werkzeug sein – aber nur für denjenigen, der selbst denken, lesen und beurteilen kann“, betont Sven Clement. „Wir dürfen keine Generation heranziehen, die sich Texte zusammenfassen lässt, bevor sie gelernt hat, sie selbst zu verstehen. Das erzeugt digitale Abhängigkeit“. Die Antwort auf Künstliche Intelligenz muss ein vertieftes und kritisches Lesen sein.
Weniger Stofffülle – mehr Tiefe und nachhaltiges Verständnis
Aus Sicht der LEV muss PISA 2025 zudem Anlass sein, über Umfang und Struktur der Lehrpläne zu sprechen. Die Schule steht permanent vor neuen gesellschaftlichen Anforderungen. Immer neue Themen sollen in immer gleich viel Unterrichtszeit Platz finden.
Dabei konzentrieren sich laut OECD erfolgreiche Bildungssysteme sich auf weniger Lernbereiche und behandeln diese dafür vertiefter. „Ein voller Lehrplan ist noch kein Zeichen für gute Bildung“, erklärt Sven Clement. „Unsere Kinder brauchen Zeit zum Denken, Diskutieren, Anwenden und auch zum Scheitern und erneuten Versuchen. Tiefe muss vor Breite gehen.“ Deshalb hatte sich die LEV auch vehement für die Veränderung des W-Seminars in der Oberstufe eingesetzt, das genau diese fachliche Tiefe liefert.
Leistungsspitze stärker fördern: Gymnasium hat besondere Verantwortung
PISA 2025 zeigt zugleich, dass in Deutschland auch die Förderung besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler stärker in den Mittelpunkt rücken muss, auch das ist Inklusion. Für die LEV ist dies gerade mit Blick auf das Gymnasium von besonderer Bedeutung und sie plädiert für eine stärkere und systematischere Exzellenzförderung an den Gymnasien. Dazu gehören anspruchsvolle Aufgabenstellungen, vertiefende Lernangebote, Wettbewerbe sowie Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
„Ein leistungsfähiges und chancengerechtes Bildungssystem muss beides können: Niemanden zurücklassen und gleichzeitig Leistung ermöglichen und fördern“, sagt Clement. „Gerade das Gymnasium trägt hier eine besondere Verantwortung.“
Plädoyer für eine zeitgemäße pädagogische Aus- und Weiterbildung
Die Anforderungen an Lehrkräfte haben sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, zunehmende Heterogenität, veränderte Mediengewohnheiten, Fragen der Lernmotivation und neue Anforderungen an individuelle Förderung stellen Pädagoginnen und Pädagogen vor Aufgaben, auf die klassische Lehrkräfteausbildung allein nicht ausreichend vorbereiten kann. Aus Sicht der LEV muss deshalb auch die pädagogische Aus-, Fort- und Weiterbildung konsequent an diese ausgerichtet sein.
„Wenn sich die Welt unserer Kinder verändert, müssen sich auch Aus- und Fortbildung derjenigen weiterentwickeln, die sie beim Lernen begleiten“, betont Sven Clement. „Gute Lehrkräftebildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Qualität unserer Bildung.“
Soziale Herkunft darf kein Bildungsschicksal sein
Besonders alarmierend bleibt der starke Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. In den Naturwissenschaften ist in Deutschland der Leistungsabstand zwischen dem sozioökonomisch begünstigten und dem benachteiligten Viertel der Jugendlichen deutlich größer als im OECD-Durchschnitt. „Die Herkunft eines Kindes darf nicht zu seinem Bildungsschicksal werden“, erklärt Clement. „Deshalb muss der Staat die Kinder besonders unterstützen, deren Eltern ihnen aus zeitlichen, sprachlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründen weniger Unterstützung geben können.
Fazit: Aus dem PISA-Schock einen PISA-Aufbruch machen
Die LEV fordert deshalb eine neue Kultur gemeinsamer Bildungsverantwortung. Politik und Schulen müssen für gute Rahmenbedingungen sorgen. Lehrkräfte brauchen Zeit für guten Unterricht und individuelle Förderung. Schülerinnen und Schüler müssen bereit sein, sich anzustrengen und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Und Eltern müssen die Chance ergreifen, Bildung zu einer selbstverständlichen Aufgabe des Familienalltags zu machen.
PISA 2025 zeigt auch: Viele langjähre LEV-Forderungen wie Modernisierung der Lehrerausbildung, Schaffung von multiprofessionellen Teams, um die Schwachen aufzufangen, eine breite Unterstützung von leistungsstarken Schülern und eine bessere Einbeziehung der Eltern sind immer noch aktuell und wichtig. Und es wird klar: Bildungsergebnisse sind veränderbar und Eltern können dazu beitragen.
Über die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V.
Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V. (LEV) vertritt seit 1950 die Interessen der Eltern von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Bayern und engagiert sich für eine zukunftsfähige, leistungsstarke und chancengerechte gymnasiale Bildung. Die LEV bringt die Perspektiven der Eltern in bildungspolitische Debatten ein und begleitet aktuelle Entwicklungen im Schulwesen mit klaren inhaltlichen Positionen.
Pressekontakt
Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V.
LEV-Vorsitzender Sven Clement
Tel.: 0163/2536368