Das neue G9 – Erfolg konzeptioneller Arbeit der LEV

Aktuelles aus der LEV - Information 1/17 vom 7. April 2017

Das neue G9 – Erfolg konzeptioneller Arbeit der LEV

Bis zum Ende der Sitzung der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag am 5. April 2017, in der sich die unmittelbare Zukunft der bayerischen Gymnasien entscheiden sollte, herrschte Unklarheit, ob die überfällige Reform ein großer Wurf werden würde oder erneut eine Flickschusterei ohne echtes Konzept.

Dann aber machte sich auch in der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) ganz schnell große Zufriedenheit breit. So, wie Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle tags darauf die geplante Einführung des neuen neunjährigen Gymnasiums beschrieb, wurde sofort klar, dass seine Partei sich nunmehr entschlossen hatte, tiefgreifende, substanzielle und vor allem sorgfältig geplante Änderungen vorzunehmen.

Die Betrachtung des vom Kultusminister vorgelegten Konzepts beweist, dass die LEV in jahrelanger intensiver Arbeit sowie in zahllosen Diskussionen mit Politikern aller Parteien und den anderen beteiligten Verbänden ein basisdemokratisches Bravourstück geschafft hat, das im Bundesvergleich einmalig ist. Das dauerhafte Bestehen der LEV auf den umfassenden Qualitätsanspruch in der gymnasialen Bildung hat zu einem guten Ergebnis geführt – sogar ohne die große Mühe eines Volksentscheids unternehmen zu müssen, zu der z. B. die Eltern in Nordrhein-Westfalen gezwungen sind.

Susanne Arndt, Vorsitzende der LEV, fasste das Ziel der bayerischen Eltern im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen im Nachrichtenmagazin „Rundschau“ vom 6. April 2017 ab 18.30 Uhr so zusammen: „Ein gutes Gymnasium darf nicht am Geld scheitern.“ Diese Botschaft hat die LEV stets als unverzichtbare Grundlage für die Reform des Gymnasiums betrachtet. Auf dieser Basis hat die LEV ihre Gespräche mit Politikern, Verbandsvertretern und dem Kultusministerium geführt. Die Strategie führte zum Ziel: In den kommenden Jahren wird die Staatsregierung 870 Millionen Euro in die Schulbildung investieren.

Kultusministerium setzt Forderungen der LEV nahezu vollständig um

Wie eng sich das Kultusministerium an den konzeptionellen Überlegungen der LEV orientiert hat, zeigt ein direkter Vergleich zwischen dem LEV-Forderungskatalog und den inzwischen bekannt gewordenen Plänen der Staatsregierung. Die Anlehnung reicht sogar bis zu einzelnen deckungsgleichen Formulierungen.

  • Die LEV forderte: Das G9 beginnt für die neue 5. Jahrgangsstufe mit dem Schuljahr 2017/2018.
    Das Kultusministerium setzt um: Nach den Sommerferien 2017 besuchen die jetzigen Viertklässler das G9
  • Die LEV forderte: Die Pilotschulen der „Mittelstufe plus“ erhalten die Garantie, dass alle bereits an der Schule befindlichen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, ab der 8. Jahrgangsstufe die Option „Mittelstufe plus“ zu wählen.
    Das Kultusministerium setzt um: Garantie der Fortführung der M+-Pilotphase für weitere drei Jahre.
  • Die LEV forderte: Das neue G9 erhält einen neuen und strukturierten Lehrplan, der die Jahrgangsstufen 5 bis 13 umfasst. Es ist sinnvoll, ihn auf dem „Lehrplan Plus“ aufzubauen und angemessene Kompetenzziele dafür zu formulieren.
    Das Kultusministerium setzt um: In den kommenden Jahren treten die Lehrpläne ab der Jahrgangsstufe 6 so rechtzeitig in Kraft, dass die Schulen sich darauf einrichten können. Die entsprechenden Schulbücher und anderen Lernmaterialien werden entsprechend zur Verfügung stehen.
  • Die LEV forderte: Die individuelle Förderung ist auszubauen – und zwar an allen Gymnasien.
    Das Kultusministerium setzt um: Es werden neue Lehrer-Planstellen entstehen, die auch der individuellen Förderung zugutekommen.
  • Die LEV forderte: Die Intensivierungsstunden bleiben bestehen und erhalten ein sinnvolles Konzept.
    Das Kultusministerium setzt um: Die Planung enthält eine Zusage, die Intensivierungsstunden zumindest „in einem gewissen Umfang“ zu erhalten.
  • Die LEV forderte: Begabte Schüler erhalten eine strukturierte Möglichkeit, die notwendigen Kompetenzen für die Qualifikationsphase ein Jahr schneller zu erlangen.
    Das Kultusministerium setzt um: Die Jahrgangsstufe 11 ist als Überspringerklasse oder für zwei Auslandssemester vorgesehen. Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, freiwillige Zusatzangebote in der 9. und 10. Klasse zu belegen. Schülerinnen und Schüler, die diese Möglichkeiten nicht wahrnehmen, absolvieren die 11. Klasse regulär.
  • Die LEV forderte: Die Option auf Ganztagszweige bleibt erhalten.
    Das Kultusministerium setzt um: Die individuelle Lernzeit wird durch den gebundenen Ganztag betont.

Die Analyse zeigt: Die jahrelange Anstrengung der LEV hat sich gelohnt!

Dem jetzt gefassten grundsätzlichen Entschluss muss jedoch eine Phase der Ausarbeitung und Abstimmung folgen, um das in der Reform angelegte Potenzial zur Entfaltung zu bringen. Die LEV wird sich mit gewohnter Professionalität, dem gebündelten Kenntnisreichtum der Elternvertreter aus allen Teilen des Freistaats sowie mit kritischem Blick daran beteiligen. Es gibt in den kommenden Monaten viel zu tun, denn auch dieser hoffnungsträchtige Entwurf des Kultusministeriums weist noch einige Fehlstellen auf. Dazu gehören:

  • Eine feste Zusage, die bestehenden Intensivierungsstunden in vollem Umfang weiterzuführen und sie mit einer inneren Konsistenz zu versehen.
  • Das Angebot vertieften Unterrichts entsprechend der Begabungen der Schülerinnen und Schüler in zumindest einem Abiturfach festzuschreiben.
  • Die Sozialkunde als Pflichtfach in den Jahrgangsstufen 10–12 einzuführen. Das Fach ist so zu gestalten, dass darin eine Abiturprüfung abgelegt werden kann. Spätestens ab der 9. Jahrgangsstufe muss die politische Bildung im Sozialkundeunterricht und fächerübergreifend ein stärkeres Gewicht erhalten, um den Schülerinnen und Schülern das dringend erforderliche Bewusstsein für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu vermitteln.

Die LEV bleibt am Ball

Neben den genannten Verbesserungen, die während der Planungsphase noch in das G9-Konzept einzufügen sind, ist es nötig, dass die LEV sehr genau hinschaut, wie sich der künftige Lehrplan entwickeln wird und wie am Ende die Aufteilung der Stundentafel aussehen soll.

Diese Aufgabe wird der Gesamtvorstand mit großer Sorgfalt wahrnehmen. Allerdings: Das Ziel kann nur mit reger Beteiligung der Elternvertreter erreicht werden.

Organisierte Eltern stärken die Landes-Eltern-Vereinigung und eine starke Landes-Eltern-Vereinigung bringt die bayerische Bildungspolitik auf den richtigen Weg.

Deshalb ruft der LEV-Gesamtvorstand die Elternbeiräte der Gymnasien, die sich noch nicht als LEV-Mitglieder engagieren, auf: Machen Sie mit! Gestalten Sie die schulische Zukunft Ihrer Kinder konstruktiv durch die Beteiligung an der LEV-Arbeit. Quod erat demonstrandum: Es lohnt sich!

Der LEV-Vorstand nimmt außerdem diese Gelegenheit wahr, den Elternbeiräten aller Mitgliedsschulen für die fortwährende Unterstützung, die zahlreichen Ideen und die ganz konkreten Forderungen zu danken. Sie haben diesen Erfolg erst möglich gemacht.

Mit besten Grüßen und Wünschen für eine erfreuliche Bildungszukunft,

Susanne Arndt

LEV-Vorsitzende                                                                                     Redaktion: Bernd Hein, LEV-Pressebeauftragter